Du funktionierst nur noch? Woran Du den Unterschied zwischen Leisten und Funktionieren erkennst.


Es gibt einen Satz, den ich im Coaching immer wieder höre, meistens beiläufig, fast stolz:
«Ich funktioniere.»
Ich frage dann gerne nach: Wie geht es Dir dabei?
Meistens entsteht dann eine Pause. Manchmal eine sehr lange.
Denn Funktionieren ist nicht dasselbe wie Leisten. Beides sieht von aussen gleich aus. Von innen ist es ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Leisten hat ein Ende. Funktionieren nicht.
Wer leistet, ist danach müde und zufrieden. Der Tag hatte einen Anfang und ein Ende, dazwischen ist etwas entstanden. Wer funktioniert, ist danach nur müde. Der Tag hatte kein Ende, er ist einfach in den nächsten übergegangen.
Leisten fühlt sich an wie Kraft, die man einsetzt. Funktionieren fühlt sich an wie Kraft, die einem entzogen wird, ohne dass man merkt, wohin sie geht.
Die Zeichen sind leise, bis sie laut werden
Das Tückische am Funktionsmodus ist, dass er sich unauffällig verhält. Man schläft noch, man arbeitet noch, man lacht noch. Nur alles ein bisschen flacher. Das Wochenende erholt nicht mehr richtig. Kleinigkeiten ärgern mehr als früher. Freude ist da, aber irgendwie hinter Glas.
Ich kenne das selbst. Ich habe in einer Phase, in der ich eigentlich krank im Bett hätte liegen sollen, weitergearbeitet und mir eingeredet, dass das eben so sein muss. Mein Körper hat mir irgendwann keine Wahl mehr gelassen. Rückblickend war das Zeichen lange da. Ich habe es nur nicht gelesen.
Der Timer, der mich zurückgeholt hat
Was mir damals geholfen hat, war fast peinlich einfach: ein Timer. Nicht für die Arbeit, sondern für das Aufhören. Wenn er klingelte, war Schluss. Nicht «noch kurz das Mail», nicht «nur noch diese eine Sache». Schluss.
Das klingt banal. Es war das Erste seit Monaten, das mir das Gefühl gegeben hat, wieder selbst zu entscheiden, wann mein Tag zu Ende ist. Genau darum geht es beim Ausstieg aus dem Funktionieren: nicht um weniger zu tun, sondern darum, wieder zu entscheiden.
Der 13-Minuten-Spaziergang
Mein Mitnehmsel aus dieser Folge ist der kleinste Schritt, den ich kenne: dreizehn Minuten gehen. Nicht dreissig, nicht eine Stunde. Dreizehn Minuten, ohne Handy, ohne Ziel. Jeden Tag.
Warum dreizehn? Weil es eine Zahl ist, die niemand ernst nimmt und deshalb jeder schafft. In dreizehn Minuten kann der Körper Stresshormone abbauen, der Kopf sortiert sich, der Atem wird tiefer. Wer das eine Woche lang macht, merkt den Unterschied. Nicht der Berg. Die Treppe.n Du heute machen könntest, wenn Du Dir erlauben würdest, dass er unperfekt ist.
«Dein Körper weiss oft schon, was Dein Kopf noch nicht wahrhaben will. Hör auf ihn, solange er noch leise sprechen kann.»
Joana Schön
Die ganze Folge zum Anhören
In Folge 2 gehe ich tiefer: Woran Du erkennst, dass Du nur noch funktionierst, was in dieser Zeit im Körper passiert und wie Du mit kleinen Schritten den Weg zurückfindest. Mit meiner 12/12-Regel und einer Geschichte aus meiner eigenen Fieberwoche.
Betrifft Dich etwas davon direkt?
Wenn Du beim Lesen gemerkt hast, dass Du gerade eher funktionierst als lebst, dann ist das kein Grund zur Panik. Es ist ein Hinweis. Ich helfe Dir gerne dabei, ihn zu lesen.
Mehr über meine Arbeit im 1:1 findest Du hier:
Herzlichst,
Joana 🌹



