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Grenzen setzen ohne schlechtes Gewissen: Warum Dein Ja ein Nein braucht.

Autorenbild: Joana Schön
Joana Schön
vor 19 Stunden
3 Min. Lesezeit
Joana Schön Burnout-Prävention Coaching mentale Gesundheit Rapperswil
Jedes deiner Ja's bedingt auch ein Nein - das liegt in der Natur der Sache.

Dein Ja braucht Dein Nein


Wenn ich heute Ja zu mir sage und ins Thermalbad gehe, dann ist das automatisch ein Nein zu den Mails, die liegen bleiben. Ein Nein zur Erreichbarkeit. Ein Nein zu vielen Orten, an denen ich heute nicht präsent bin.


Das ist keine Strafe. Das ist einfach, wie Zeit funktioniert. Ein Ja braucht Platz. Platz entsteht nur, wenn woanders etwas weggeht.


Wer das nicht akzeptiert, sagt am Ende zu allem Ja und ist nirgends wirklich da. Ein Ja, das gar nicht Nein hätte sein können, ist wertlos. Für Dich. Irgendwann auch für die anderen.



Das Unbequeme: Das Umfeld gewöhnt sich


Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wenn Du immer Ja sagst, immer für alle da bist, Dir jede Aufgabe zusätzlich aufschulterst, dann wird das irgendwann nicht mehr als Geschenk wahrgenommen. Es wird zur Selbstverständlichkeit.


Dann bleibt die Wertschätzung aus. Nicht, weil die anderen undankbar wären. Sondern weil aus einem besonderen Einsatz eine tägliche Sache geworden ist. Für tägliche Sachen bedankt sich niemand. Das ist der Preis des Immer-Ja: Man gibt mehr und bekommt weniger zurück.



Woran ich erkenne, dass jemandem die Grenzen fehlen


Im Coaching erkenne ich es meistens daran, wovon jemand erzählt. Eine halbe Stunde lang vom Umfeld: was der Partner braucht, was die Kinder brauchen, was im Team schwierig ist. Über sich selbst fast nichts.


Dann frage ich: Und Du? Was ist in dieser Zeit mit Dir passiert?


Manchmal entsteht dann eine sehr lange Stille. Diese Menschen sind so sehr gewohnt, im Aussen unterwegs zu sein, dass sie sich selbst genau die Wertschätzung nicht geben, die sie von anderen so schmerzlich vermissen.



Warum Neinsagen das ganze System bewegt


Neinsagen fällt schwer, weil Angst dahintersteckt. Angst vor Ablehnung, vor dem Nicht-mehr-Dazugehören, dazu alte Muster und ein schlechtes Gewissen, das beim ersten Nein garantiert auftaucht.


Dazu kommt etwas, das selten jemand ausspricht: Manchmal kommt Dein Nein tatsächlich nicht gut an. Du bist Teil eines Systems, einer Familie, eines Teams. Wenn diejenige, die immer alles getragen hat, plötzlich Grenzen setzt, gerät das System in Bewegung. Alle anderen müssen sich neu finden. Das irritiert und genau dort beginnt aber Entwicklung, auch für die anderen.



Grenze ist nicht Abgrenzung


Ein Missverständnis, das ich oft höre: «Wenn ich Grenzen setze, mache ich doch zu.» Abgrenzung heisst: Ich lasse nichts mehr rein. Eine Grenze ist etwas ganz anderes. Innerhalb Deiner Grenze darf weiterhin alles stattfinden, Nähe, Hilfsbereitschaft, Liebe.


Du entscheidest nur selbst, wie viel davon und in welchem Rahmen.


Du kannst Ja sagen zum Elternabend und Nein zum Kuchenbacken. Du kannst für eine Freundin da sein und trotzdem sagen: Heute Abend nicht, aber morgen gerne. Das ist keine halbe Zuwendung. Das ist eine, die trägt, weil sie Dich nicht aufbraucht.



Ein Nein pro Tag


Mein Mitnehmsel: Schreib Dir jeden Morgen ein einziges Wort auf. Nein. Nimm Dir vor, heute einmal Nein zu sagen. Nicht zu den Kindern, weil sie etwas nicht dürfen. Sondern zu etwas, bei dem Du es schon spürst, wo der erste Impuls sagt: Ich möchte das eigentlich nicht.


So konditionieren wir das Gehirn darauf, dass Nein sagen in Wirklichkeit gar nicht schlimm ist. Das Schlimme passiert fast immer nur im Kopfkino. Übrigens: Du musst Dein Nein nicht begründen. Wer sich rechtfertigt, öffnet die Tür für Verhandlungen.


«Rosen blühen nach dem Schnitt schöner. Das gilt nicht nur für Rosen.»

Joana Schön



Die ganze Folge zum Anhören


In Folge 3 erzähle ich Dir dazu die Geschichte meiner Rose, meines Gärtners und eines Glases Wasser bei 31 Grad. Sie zeigt, wie Grenzen aussehen, wenn sie gut sind: Sie trennen nicht. Sie machen das Miteinander überhaupt erst möglich.




Betrifft Dich etwas davon direkt?


Wenn Du merkst, dass Dein Ja schon lange kein echtes Ja mehr ist, weil es nie Nein sein durfte, dann lass uns gemeinsam anschauen, wo Deine Grenze eigentlich verläuft.



Mehr über meine Arbeit im 1:1 findest Du hier:


Herzlichst,

Joana 🌹

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