Gedankenkarussell nachts: Was hilft, wenn der Kopf nicht aufhören will


Der Tag war lang. Du legst Dich ins Bett, bist müde, willst nur noch schlafen. Du machst die Augen zu.
Genau dann geht es los. Der Kopf. Er hört einfach nicht auf.
Wenn Dir das bekannt vorkommt, bist Du damit nicht allein. Meine Klientinnen und Klienten erzählen fast alle dasselbe: Sie wälzen sich von links nach rechts. Manche stehen nachts auf. Manche schlafen nur noch vier, fünf Stunden und sind überzeugt, sie seien fit. Das ist ein echtes Phänomen: Der Körper läuft auf Reserve, während der Kopf behauptet, alles sei in Ordnung.
Warum gerade nachts?
Die Antwort ist eigentlich einfach: Weil es dann ruhig ist. Den ganzen Tag ist Dein Kopf beschäftigt, Termine, Gespräche, Kinder, Arbeit. Da ist kein Platz für das, was darunter liegt. Alles, was Du tagsüber verdrängen konntest, wartet.
Nachts wird es still. Jetzt hat der Kopf zum ersten Mal Zeit für all das. Das ist kein Fehler Deines Körpers. Es ist ein Hinweis: Da ist etwas, das bisher keinen Platz bekommen hat.
Der Teufelskreis aus Stress und Schlaf
Wer gestresst ist, hat einen erhöhten Cortisolspiegel. Cortisol hält wach, genau das Gegenteil von dem, was wir zum Einschlafen brauchen. Wer schlecht schläft, startet den nächsten Tag mit weniger Energie, ist dünnhäutiger, reizbarer, greift häufiger zum Kaffee. Das erzeugt wieder Stress. So dreht sich das Rad.
Wer da mitten drin steckt, merkt oft gar nicht mehr, wo es angefangen hat. Ich kenne solche Nächte selbst, aus einer Zeit grosser Belastung. Was mir geholfen hat, klingt erst einmal falsch: Ich bin aufgestanden. Denn wer stundenlang wach im Bett liegt, bringt seinem Gehirn bei, dass das Bett nicht der Ort der Erholung ist, sondern der Ort, an dem die Gedanken freie Fahrt haben.
Was nicht hilft, auch wenn es sich gut anfühlt
Das Handy im Bett: Das helle Licht hält wach, noch stärker wirken aber die Inhalte. Jede Nachricht, jede Diskussion gibt dem Kopf neues Futter. Das Grübeln bekämpfen: Je stärker Du dagegen ankämpfst, desto lauter werden die Gedanken. Das Glas Wein: macht müde, verschlechtert aber die zweite Nachthälfte. Das stundenlange Liegen im Dunkeln: siehe oben.
Was wirklich hilft
Etwa neunzig Minuten vor dem Schlafen ein Ritual, das dem Körper signalisiert: Jetzt wird es ruhig. Bei mir ist das ein Melissentee, kein Wundermittel, aber ein Zeichen. Keine Bildschirme mehr. Abends die dreizehn Minuten gehen, um den Stress des Tages abzubauen.
Der wichtigste Trick: ein Notizbuch neben dem Bett. Am besten schreibst Du schon vor dem Schlafen alles auf, was noch da ist, alle To-dos, alle Sorgen. Raus damit. Wenn Du nachts trotzdem wach wirst: aufstehen, kleines Licht, aufschreiben, Buch zu, zurück ins Bett. Dein Kopf muss es nicht mehr festhalten, weil er weiss, dass es festgehalten ist. Wichtig: in ein Buch, nicht ins Telefon.
Wann Du hinschauen lassen solltest
Wenn Deine Schlafprobleme über längere Zeit andauern, wenn Du Dich tagsüber kaum konzentrieren kannst oder merkst, dass es Dir insgesamt nicht gut geht: Lass es bitte ärztlich abklären. Hinter Schlafproblemen kann auch etwas Körperliches stecken. Hinzuschauen ist keine Schwäche. Es ist Fürsorge.
«Diese Tipps sind keine Gesetze. Sie sind Werkzeuge. Manchmal ist das wichtigste Werkzeug, dass sich jemand geborgen fühlt.» – Joana Schön
Die ganze Folge zum Anhören
In Folge 4 erzähle ich von meiner Zombie-Zeit, als meine Tochter die ersten Zähne bekam, sowie von einem Kuschelabend, der gegen alle meine Regeln verstösst. Dazu die drei typischen Nachttypen und alle Werkzeuge im Detail.
Betrifft Dich etwas davon direkt?
Wenn Deine Nächte seit Längerem unruhig sind und Du spürst, dass es nicht nur am Schlaf liegt, dann sprechen wir darüber. Oft sitzt die Ursache tagsüber.
Mehr über meine Arbeit im 1:1 findest Du hier:
Herzlichst,
Joana 🌹



